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Allegra Geller (Jennifer Jason Leigh) hat ein neues Computerspiel erfunden: eXistenZ ist eine virtuelle Reise in das Reich der Psyche und wird direkt an das Nervensystem der Spieler angeschlossen. Als Allegras Erfindung sabotiert wird, muß sie mit ihrem unerfahrenen Kollegen Ted (Jude Law) flüchten. Die beiden landen in einer unheimlichen und merkwürdigen neuen Umgebung. Doch auch hier werden sie von "Anti-eXistenZialisten" verfolgt. Um zu überleben müssen sie das Ziel des Spiels erreichen. Alles geht rasend schnell. Sie dringen immer tiefer in eXistenZ ein, bis Ted seinen Realitätsverlust befürchtet und aussteigen will. Doch das Ziel ist herauszufinden, was das Ziel ist....
In der Presse
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EXistenZ
von Cornelia Fleer
Der Name „eXistenZ“ bezeichnet ein Computerspiel auf organischer Grundlage. Der Joystick heißt „Game-Pod“, hat die Form einer verkleinerten Brust und besteht aus biologischer Materie, dem „Meta-Fleisch“. Etwas unterhalb der Taille, am Ende der menschlichen Wirbelsäule, ist eine „Bioport“ genannte Körperöffnung oder Schnittstelle implantiert. Ihr Aussehen erinnert entfernt an den versenkten Kreuzschlitz eines Schraubenkopfes. Mensch und Computer lassen sich so mittels eines Kabels, einer Art Nabelschnur („Umbycord“), verstöpseln. Werden die Griffmulden des „Game-Pod“ berührt, beginnt unter der durchsichtigen Haut eine pulsierende Masse rötlich zu schimmern. Begleitet von glucksenden Geräuschen, wird das Spiel in den menschlichen Organismus geladen.
Biologischer Terror und sexuelle Angst – das sind „klassische“ Themen der Filme von David Cronenberg, einem der originellsten Horrorfilm-Spezialisten und Liebhaber morbider Stimmungen. Sein jüngster Film funktioniert ähnlich wie ein Computerspiel, das mit den Erwartungen seiner Rezipienten einen ironisch-makabren Schabernack treibt: ein schwarz-humoriger Spiel-Film, der sich vordergründig an der unvollkommenen Ästhetik des Computerspielsektors orientiert. So ist die Architektur des Films – wie die Orte eines Spiels – deutlich mit in die Sets integrierten Schildern markiert. „Motel“, „Tankstelle“, „China Restaurant“ ist über zumeist heruntergekommenen Eingängen zu lesen. Die Handlung bewegt sich in etwa auf dem Niveau der Vorbilder, allerdings kommt das Grauen von innen, ganz anders als in „Matrix“ (fd 33 720) und wie schon so oft bei Cronenberg selbst.
Im Kreis der Fetischisten des Computerspiels ist die Spieldesignerin Allegra Geller ein hochverehrtes Idol. Ihr neuestes Spiel „eXistenZ“ wird mit Spannung erwartet, denn es soll virtuelle Welten eröffnen, die tatsächlich die Grenze zwischen Spiel und Realität verwischen. Prompt verüben Gegner einen Anschlag auf den Superstar der Computerspielfans. Die Protagonistin entkommt leicht verletzt durch den Schuss aus einer „Knorpelpistole“. Doch Allegra beschäftigt nicht ihre Verletzung, sondern einzig die Frage: Funktioniert der Computer? Noch auf der Flucht beginnen Allegra und Ted Pikul, der ahnungslos-„unschuldige“ Marketing-Assistent der Firma, mögliche Schäden am Spielprogramm durch Tests zu überprüfen. Cronenberg webt auf dieser Handlungsbasis ein undurchdringliches Geflecht aus Spiel- und Filmwirklichkeit, das vielfältige, teils selbstreflexive, teils ironische Andeutungen auf das Thema Medienbegeisterung enthält. Wie die viel geschmähte Couchpotato kommen die Protagonisten nicht recht von der Stelle, stattdessen liegen oder sitzen sie auf Betten oder Stühlen und erleben wilde Kapriolen in Kopfabenteuern. Hintersinn und Witz des Films drohen sich dabei immer wieder zu verlieren. Beispielsweise existieren in der virtuellen Welt des Computers ebenfalls Computerspiele, die in den menschlichen Organismus geladen werden. Das Spiel sei zu selbstreflexiv, heißt es an einem Punkt der Handlung, an dem sich das zunächst angedeutete Verhältnis von Spiel- und Filmhandlung zu verkehren scheint. Allegras anfangs geäußerte Befürchtung „Die Menschen sind programmiert, mit so wenig zufrieden zu sein, aber es gibt so viele Möglichkeiten“, erscheint hier in einem anderen Licht. Ob Allegra es war, die dies sagt oder ihr Spielcharakter, ist am Ende nicht auszumachen.
Mit der fantastischen Vorstellung, dass ein Computerspiel in den menschlichen Körper geladen wird, ist es Cronenberg freilich nicht getan. Zu einer eher abstoßenden Wirkung seines Films tragen vor allem biotechnologische und sexuelle Anspielungen bei. Etwa wenn Ted Pikul, der als Allegras Leibwächter fungiert, ihren Bioport genüsslich mit der Zunge erkundet. Auch die seltsam organische Form eines Handys, das einmal auftaucht, weckt eher schmerzliche Assoziationen. Menschliche Zähne sind die Geschosse jene „Knorpelpistole“, deren Form mehr an das Skelett einer Katze als an eine Schusswaffe erinnert. Die einzelnen Teile der Pistole fischt Ted Pikul einmal aus dem Glibber eines chinesischen Spezialgerichts und setzt sie, nachdem er sie säuberlich abgenagt hat, geschickt zusammen. Schon in „Crash“ (fd 32 192), Cronenbergs letztem, umstrittenem Film, hatte der Kanadier mit dem durchaus ungesunden Interesse an physischen Verletzungen und einer libidinösen Vermischung von Mensch und Maschine irritiert. Den besonderen Reiz von „eXistenZ“ macht indessen die Arbeit der exzellenten Schauspieler aus, die mit ihrem doppelten Spiel faszinieren. Vor allem Jennifer Jason Leigh, in deren Augen die fanatische Begeisterung der Spielenthusiastin glänzt, wenn sie ihren Spielpartnern kaltherzig – und rein spielerisch, versteht sich – den Garaus macht. Neben ihr beeindruckt Jude Law in der Rolle des Ted Pikul, der erst von den Reizen virtueller Spiele überzeugt werden muss, ehe er sich nach und nach als ausgebuffter Spielpartner entpuppt. Jude Law, zuletzt in „Oscar Wilde“ (fd 32 799) und „Gattaca“ (fd 33 221) zu sehen, beeindruckt hier durch seine unerschrockene Wandlungsfähigkeit. Willem Dafoe als Bösewicht hat einen beeindruckenden Auftritt in einer Nebenrolle: Er spielt den Besitzer einer virtuellen Tankstelle auf „der niedrigsten Stufe der Realität“.
EXistenZ
DVD
Originaltitel: Existenz (Sci-Fi/Fantasy, Kanada / Großbritannien 1998), ca. 93 Minuten
FSK 16
DVD im Handel seit 25.07.00
Extras
Trailer; Making of; Dokumentation über Carol Spier; DVD-Rom Teil mit Demo PC-Game "Shadow Man"; Wendecover
Darsteller
Jennifer Jason Leigh (Weiblich, ledig, jung sucht)
Jude Law (Gattaca, Der talentierte Mr. Ripley)
Willem Dafoe (Platoon, Der englische Patient)
Christopher Eccleston (Elizabeth, Heart)
Stab
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Peter Suschitzky
Produktion: Robert Lantos, Andras Hamori, David Cronenberg
Technische Angaben
Bild: 1,85:1 (16:9 widescreen)
Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch (5.1 Dolby Digital, Dolby Surround)
Untertitel: Deutsch, Englisch (ausblendbar)
TRAILERAUSWAHL
Angaben zum Vertrieb
Bst.-Nr. 500073, EAN 4006680018317
